Herausforderungen bei Umnutzungen von Klosterbauten

Herausforderung bei Umnutzung

Immer weniger Personen gehören den beiden dominierenden Schweizer Glaubensgemeinschaften «evangelisch-reformiert» und «römisch-katholisch» an. Daraus resultieren Überkapazitäten auf der einen Seite sowie ein absehbarer aufgestauter Gebäudeunterhalt wegen fehlender finanzieller Mittel und ausbleibendem Nachwuchs auf der anderen. Viele Kirchen- und Klostergemeinschaften denken deshalb darüber nach, wie sie ihre Bauten erhalten und langfristig nutzen sollen. Werden Umnutzungsprojekte ins Auge gefasst, gilt es vielfältige Herausforderungen zu meistern. Das Kloster Fahr stellt sich nun diesen Herausforderungen.

Herausforderungen bei Umnutzungen

Oft befinden sich sakral genutzte Objekte an bevorzugten Mikrostandorten, sei es an einer hochzentralen Passantenlage, sei es an Lagen mit einer unverbaubaren Fernsicht. Dagegen ist die Makrolage oftmals unvorteilhaft. So sind 38 Prozent aller Sakralbauten mehr als eine Stunde Fahrzeit von einer der fünf Grossstädte Basel, Bern, Genf, Lausanne oder Zürich entfernt. Somit zeigt sich an einigen Orten eine Ambivalenz in der Standortbeurteilung.

Wird die Lage gesamthaft als vorteilhaft eingeschätzt, können neue Lösungsansätze wie z.B. die neue Nutzung der Sakralbauten in Betracht gezogen werden. Die Umnutzungsprojekte sind in der Regel besonders anspruchsvoll, weil zusätzlich zu den gängigen Fragestellungen – Beurteilung der vorhandenen Bausubstanz, Sicherstellung der Finanzierung oder Analyse der Nachfragesituation – folgende Aspekte eine zentrale Rolle einnehmen:

Bauzone:
Ein zeitraubender Planungsprozess stellt die Umzonung dar. Sakralbauten befinden sich oft in Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen. Werden alternative Nutzungen ins Auge gefasst, die nicht diesem Zonentyp entsprechen, sind Umzonungen notwendig. Die Zonenkonformität ist nur selten gegeben. Damit verbindet sich meistens ein aufwändiger, zeitintensiver Planungsprozess, der von zusätzlichen Risiken respektive Unsicherheiten begleitet wird.

Ortsbild:
Etliche Kloster bzw. Sakralbauten sind als schützenswerte Ortsbilder eingeschätzt. Der Schutzfokus liegt im äusseren Erscheinungsbild. Sakralbauten können als einzelne oder auch in Verbindung mit umliegenden Gebäuden ein schützenswertes Ortsbild generieren.

Denkmalpflege:
Im Gegensatz zu anderen Gebäuden sind Kloster überdurchschnittlich häufig als denkmalgeschützt erfasst. Anders als beim Ortsbild geht es dabei nicht nur um das äussere Erscheinungsbild, sondern um bauliche Aspekte der Liegenschaft selbst. Wie beispielsweise die Ausstattung und die verwendeten Materialien. Mit dem Status «denkmalgeschützt» besitzen sie einerseits das Privileg der Subventionen. Andererseits sind bei Umbauten oder Rennovationen die entsprechenden Behörden zu konsultieren.

Weitere Erläuterungen zum Denkmalschutz finden Sie in diesem Blog-Beitrag.

Herausforderungen bei Umnutzung von Sakralbauten - Portfoliogliederung von Glaubensgemeinschaften

 


Aktuelles Beispiel – Kloster Fahr

Auch das Kloster Fahr möchte nun deren Zukunft aktiv planen und mitgestalten. Die Klostergemeinschaft ist überzeugt, dass auch in 20 Jahren im Kloster am Rand der Stadt Zürich benediktinische Spiritualität gelebt wird, auch wenn heute noch nicht klar ist, wie das im Detail aussehen wird. Die Betriebe bilden seit jeher die Lebensgrundlage für die klösterliche Gemeinschaft. Wirtschaftlichkeitsüberlegungen, Strukturfragen und der anstehende Investitionsbedarf für eine zukunftsgerichtete Nutzung der Annexgebäude und Betriebe bedingen eine weitsichtige Öffnung und Kooperationen mit externen Partnern.

Seit der Gründung im Jahr 1130 bildet Fahr zusammen mit dem Kloster Einsiedeln ein Doppelkloster. Die Gottsuche prägt das monastische Leben der zwanzig Nonnen. Gemäss der Benediktsregel soll Gott in allem – in Arbeit und Gebet – verherrlicht werden. Der klösterliche Tag weist eine klare Struktur auf. Gemeinsame Gebetszeiten und Lesungen wechseln sich im Kloster Fahr ab mit Zeiten der Arbeit und Erholung.

Das Kloster gilt als Ort der Ruhe und der Spiritualität sowie der Gastfreundschaft und der Begegnung. Das Kloster umfasst neben der barocken Klosteranlage rund zwanzig Nebengebäude (Restaurant, Scheunen, Trotte, Schulhaus, St-Anna-Kapelle etc.). Die letzten Renovierungen dieser Bauwerke fanden in den Jahren 1962 bis 1999 statt.

 

Leitbild

Spirituelle Oase: Alles, was im Kloster Fahr geschieht und angeboten wird, soll mit dem christlichen Glauben vereinbar sein. Das Kloster Fahr am Rand der Stadt ist ein Ort der Spiritualität und der Ruhe. Hier sollen Menschen auftanken und spüren: Gott ist da. Die Kirche und Kapelle laden ein zum Verweilen und Kraft schöpfen.

Klösterliche Ausstrahlung: Das Kloster Fahr ist ein lebendiges Kloster. Die Liebe zum Leben der Benediktinerinnen soll spürbar sein im achtsamen Umgang miteinander, mit den Menschen und mit der Schöpfung. Die klösterliche Umgebung schafft Raum für kreatives und schöpferisches Arbeiten.

Ort der Gastfreundschaft: Das Kloster Fahr ist ein Ort der Gastfreundschaft und der Begegnung. Die Gästezimmer geben Menschen die Gelegenheit, sich dem Rhythmus der Benediktinerinnen anzuschliessen und dem persönlichen Suchen nach Gott Raum zu schaffen.

Kulturhistorisches Juwel: Die barocke Klosteranlage vor den Toren der Stadt Zürich ist ein kulturhistorisches Juwel. Dieses Ortsbild soll gepflegt und geschützt werden

Grüne Oase: Das Kloster Fahr mit seinen Gärten, Wiesen, Äckern, Weiden, Obst- und Rebbergen, Hecken, Bächen und Wäldern ist eine grüne Oase im dicht besiedelten Limmat. Dieses Erscheinungsbild soll gepflegt und erhalten bleiben

Quelle des Leitbilds: Kloster Fahr

 

Areal und Gebäude

Zum Kloster Fahr Ensemble gehören neben dem Konventgebäude ein grosser Landwirtschaftsbetrieb mit Tierhaltung, Acker-, Obst- und Rebbau sowie ein Wirtshaus, die ehemalige Bäuerinnenschule, ein Riegelhaus und weitere Bauten und Anlagen. Die Gebäude wurden zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert erstellt und weisen unterschiedliche bauliche Zustände auf. Auf dem ganzen Areal verteilt gibt es verschiedene Aussenräume wie z.B. den Klostergarten, ein grosser Platz (heute als Parkplatz genutzt) oder eine Gartenwirtschaft unter Bäumen. Abgesehen vom Innenhof des Konventgebäudes und der Flächen südlich des Konventgebäudes sind alle weiteren Aussenräume öffentlich zugänglich. Durch das Areal führt ein ausgeschilderter Wander- und Fahrradweg. Bis zur Limmat sind es 200 Meter.

Plan Kloster Fahr

 

Aktive Gestaltung der Zukunft

Das Kloster Fahr sucht mit der öffentlichen Ausschreibung künftige Partner (als Investoren, Nutzer und Betreiber), um gemeinsam und mit Einbezug der zuständigen Behörden visionäre Ideen für die künftige Nutzung und Bewirtschaftung der Annexgebäude und Betriebe zu entwickeln. Unter Berücksichtigung des Leitbilds und in Ergänzung des bereits laufenden Renovationsprozesses soll das Areal als attraktiver Begegnungsort gestärkt werden.

Die Ausschreibung umfasst die um das Konventgebäude angeordneten Hauptbestandteile „Bäuerinnenschule“, „Wirtshaus“ und „Landwirtschaftsbetrieb“ sowie weitere Bauten und Anlagen, die zur Miete, langfristigen Pacht oder zur Abgabe im Baurecht angeboten werden. Eine Bewerbung für die Bewirtschaftung sämtlicher Bestandteile als Einheit wird begrüsst. Denkbar und möglich sind aber auch zukunftsgerichtete Kombinationen einzelner Teilbereiche. Die grosse Flexibilität bezüglich Nutzungsmöglichkeiten der vorhandenen Bauten und Anlagen, die grosszügigem Platzverhältnisse sowie die naturnahe Lage vor den Toren der bevölkerungsreichsten Stadt der Schweiz bieten eine ideale Grundlage für die Realisierung innovativer Ideen.

 

Rüstung für die Zukunft

Auch in 20 Jahren werden im Kloster am Rand der Stadt Zürich benediktanische Spiritualitäten gelebt, davon ist die Klostergemeinschaft überzeugt. Mit dem «Press Release» vom 8. November 2017 publizierte Wüest Partner die Entwicklungsstrategie der Annexgebäudes.

Zur Medienmitteilung  – PDF

Weiterführende Informationen und Grafiken finden Sie in der folgenden Publikation:
Immo-Monitoring 2014 (Herbstausgabe)


Das Kloster Fahr in den Medien

 


Autoren

Porträt Martina Wäckerlin

Martina Wäckerlin
Consultant bei Wüest Partner seit 1. Juli 2017; MSc ETH Architektur; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Projektentwicklung, Standort- und Immobilienmarktanalysen und Immobilienbewertung
martina.waeckerlin@wuestpartner.com

Porträt Melanie Kaderli

Melanie Kaderli
Angestellt bei Wüest Partner seit 1. August 2015; Kauffrau in Ausbildung
melanie.kaderli@wuestpartner.com

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