Immo-Barometer 2017: Auf Wohnungssuche

Ein junges Paar nach erfolgreicher Wohnungssuche

Jeder, der schon einmal auf Wohnungssuche war, weiss, wie schwierig es sein kann, das passende Objekt für die eigenen Bedürfnisse zu finden. Denn für viele Menschen ist die Wohnung ein Ort, über die sie sich auch ein Stück weit identifizieren wollen. So kommt das Sprichwort «Zeig mir, wie du wohnst und ich sag dir, wer du bist» nicht von ungefähr. Die Behausung sollte die Anforderungen erfüllen und zu einem passen – und dazu gehören nicht nur Einrichtung und Möbel, sondern beispielsweise auch Grundriss, Architektur, Materialien, Ausbaustandard und nicht zuletzt die Lage der Wohnung.

Dass das Wohnen in der Schweiz tatsächlich eine übergeordnete Rolle bei der Lebensqualität spielt, demonstriert der aktuelle «Immo-Barometer 2017»: Aus 15 ausgewählten Bereichen, auf die es im Leben ankommen kann, rangieren in der Deutschschweiz eine «Gute Lage der Wohnung bzw. des Hauses» und eine «Schön eingerichtete Wohnung» auf Platz 3 und 5. Ein höherer Stellenwert als der Wohnqualität wird nur noch der Befriedigung bei der Arbeit und der Pflege von sozialen Kontakten beigemessen.

Worauf es den Leuten bei der Wohnungssuche mehrheitlich ankommt und welche Faktoren für die Wohnzufriedenheit in der Schweiz ausschlaggebend sind, zeigt die Studie «Immo-Barometer», die jährlich gemeinsam von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und Wüest Partner durchgeführt und herausgegeben wird.

Trotz hoher Wohnzufriedenheit sind viele auf Wohnungssuche

  • Die Studie zeigt, dass insgesamt eine hohe Wohnzufriedenheit in der Schweiz herrscht. Dies beweisen die stabilen Umfrageergebnisse der vergangenen Jahre auf die Frage «Wie gefällt es Ihnen in Ihrem Haus/Ihrer Wohnung?». Fast zwei Drittel der Befragten gefällt es «sehr gut» und mehr als 95 Prozent mindestens «ziemlich gut».
  • Dennoch wollen im Jahr 2017 44 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung umziehen: 5 Prozent sobald als möglich, 10 Prozent gelegentlich und 29 Prozent spielen zumindest mit dem Gedanken, ihre Behausung zu wechseln. Grund dafür sind vor allem Veränderungen der Lebenssituation, die dazu führen, dass man nach einem neuen Zuhause Ausschau halten muss oder möchte.
  • In der Deutschschweiz liegt der Anteil der umzugsbereiten Personen bei 42 Prozent. Umzugsfreudig zeigt sich hier vor allem die jüngste Altersgruppe: 63 Prozent der 15- bis 29-Jährigen ziehen einen Wohnungswechsel in Erwägung. Ebenfalls überdurchschnittlich ist die Umzugsbereitschaft bei den kinderlosen Haushalten.

Mit 44 Prozent ist die grundsätzliche Bereitschaft zu einem Umzug relativ hoch. Verglichen mit der tatsächlichen Umzugsquote – die im Jahr 2016 bei rund 12 Prozent liegt – ist das Umzugspotenzial folglich noch längst nicht ausgeschöpft. Doch warum kommt es bei so vielen Leuten nicht zum gewünschten Wohnungswechsel? Ein möglicher Grund dafür ist, dass das Angebot die Bedürfnisse vieler Suchender nicht immer abdeckt. Daher lohnt es sich einmal mehr darauf zu schauen, wonach die Leute derzeit auf dem Wohnungsmarkt überhaupt Ausschau halten.

Wonach wird auf dem Wohnungsmarkt gesucht?

  • Das am häufigsten gesuchte Wohnobjekt ist die Mietwohnung. Diese sollte bei der Mehrheit der Befragten zwischen 3 und 4.5 Zimmer aufweisen.
  • Bei den Eigentumswohnungen sind die begehrteren vor allem die 4- und 4.5-Zimmer-Wohnungen; diese werden von mehr als der Hälfte der Suchenden nach Stockwerkeigentum präferiert.
  • Kleinwohnungen mit bis zu 2.5 Zimmern werden eher in Form von Mietwohnungen nachgefragt, und Grosswohnungen mit 5 Zimmern werden eher in Form von Stockwerkeigentum gesucht. Dabei ist die Suche nach grösseren Eigentumswohnungen im Vergleich zu den vergangenen drei Befragungsjahren zugunsten der mittelgrossen Wohnungen etwas zurückgegangen. Es zeigt sich, dass Teile der Bevölkerung ihre Bedürfnisse den derzeitigen Marktverhältnissen angepasst haben: Aufgrund der gestiegenen Wohneigentumspreise sind die Kaufinteressenten mittlerweile relativ stark eingeschränkt, sodass finanzielle Restriktionen sie dazu zwingen, Abstriche bei der Wohnungsgrösse zu machen.

 

«Immo-Barmometer 2017» - Umzugsabsichten

 

Vielfältige Ansprüche an das gesuchte Wohnobjekt

Die Bedürfnisse der Wohnungssuchenden werden anhand eines Kataloges von Wohnfaktoren abgefragt. Die Befragten bewerten, wie relevant für sie die einzelnen Faktoren bei der Wohnungssuche sind.

Suchkriterien bei der Wohnungssuche

  • Von den Suchkriterien, die die Wohnung selbst betreffen, sind neben dem Preis (Mietzins bzw. Hypothekarzins) der Reihenfolge nach folgende Punkte am relevantesten: die Wohnungsgrösse, die Verfügbarkeit und Grösse von Aussenflächen wie einem Balkon sowie die Helligkeit der Wohnung. Weniger wichtig hingegen sind die Anzahl Nasszellen, das Verhältnis zu den Nachbarn sowie an letzter Stelle das Kriterium, ob das Wohnobjekt über ein kontrolliertes Lüftungssystem verfügt.
  • Suchende nach grösseren Wohnungen mit 4 Zimmern und mehr zeigen sich insgesamt anspruchsvoller als Suchende nach kleineren Wohnungen mit maximal 3.5 Zimmern.
  • Diejenigen, die nach kleineren und damit ohnehin preisgünstigeren Eigentumswohnungen suchen, erweisen sich in der Umfrage preissensitiver als Suchende nach grösseren Wohnungen. Für sie ist der Preis bzw. der Hypothekarzins das mit Abstand ausschlaggebendste Argument.

Suchkriterien betreffend der Lage und Umgebung

  • Von den Faktoren, die das Umfeld und die Lage der Wohnung betreffen, gilt die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln als ungeschlagenes Nummer-1-Kriterium. Diese hat sich im Gegensatz zu früheren Jahren mittlerweile auch bei den Suchenden nach Wohneigentum durchgesetzt.
  • Auch der Faktor Umgebungslärm, die Verfügbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten und die Länge des Arbeitsweges spielen bei der Mehrheit der Befragten eine übergeordnete Rolle.
  • Im direkten Vergleich fällt auf, dass Suchende nach einer Eigentumswohnung neben einer guten Erreichbarkeit eher ruhigere Lagen mit wenig Umgebungslärm präferieren und dafür einen längeren Arbeitsweg hinnehmen würden. Für Suchende nach einer Mietwohnung sind neben dem ÖV-Anschluss die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten und die Länge des Arbeitsweges zentraler, dafür nehmen sie auch weniger ruhige Wohnlagen in Kauf.

 

 


Erklärungen

Der «Immo-Barometer» ist eine gesamtschweizerische Umfrage zu den Themen Wohnverhältnisse, Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse. Dabei werden rund 1600 repräsentativ ausgewählte Personen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ausführlich zu ihrer aktuellen Wohnsituation und zu allfälligen Veränderungsabsichten befragt. Der «Immo-Barometer» wurde erstmals im Jahr 1988 von der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) durchgeführt und findet seit dem Jahr 2002 in Kooperation mit Wüest Partner – mittlerweile jährlich – statt.

Immo-Barometer 2017: NZZ-Studie über die Wohnzufriedenheit und wichtigsten Kriterien bei der WohnungssucheDie aktuellen Umfrageergebnisse über die Stichprobe der Deutschschweiz (rund 1200 repräsentativ ausgewählte Personen) ist erhältlich in gedruckter Form bei NZZ Media Solutions AG, Postfach, 8021 Zürich und steht als PDF zum Download kostenlos zur Verfügung.

 

 

 

 

 

 

Weitere Blogbeiträge zu den Wohnbedürfnissen finden Sie hier:
Umzüge innerhalb der Schweiz
Die Vorstellung vom Wohnen im Alter
Kleinere Wohnungen im Kommen

Untersuchungsbeschrieb

  • Stichprobe: 1600 Personen der Schweiz mit Internetzugang (davon rund 1200 Personen in der deutsch- und 400 Personen der französischsprachigen Schweiz) im Alter von 15 bis 79 Jahren; rekrutiert im LINK-Panel und innerhalb der Regionen nach Alter und Geschlecht sowie in der Randsumme nach der Wohnsituation (Eigentümer/Mieter) quotiert, gemäss repräsentativen Vorgaben.
  • Art der Befragung: Computergestützte Onlineinterviews (CAWI) anhand eines standardisierten, ausgetesteten Fragebogens.
  • Befragungszeitraum: 22. Juni bis 3. Juli 2017
  • Beauftragtes Institut: LINK Institut für Markt- und Sozialforschung, Zürich
  • Weiterveröffentlichung: Weiterveröffentlichung gestattet, bitte mit Quellenangabe «Immo-Barometer, Neue Zürcher Zeitung/Wüest Partner, 2017».

 


Autorin

Ines von der Ohe

Ines von der Ohe

Consultant bei Wüest Partner seit Januar 2016; M.Sc. in Geography; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Immobilienmarktanalysen, regionale Marktberichte, Autorin Immo-Monitoring, GIS-Analysen.
ines.vonderohe@wuestpartner.com

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