Verkaufsflächenumsätze in der Schweiz

Verkaufsflächenumsätze in der Schweiz

Das Umfeld für Detaillisten ist im Umbruch und bleibt anspruchsvoll: Zum einen kaufen immer mehr Menschen ihre Waren im Internet. Zum anderen hat im Zuge der Aufgabe des Euro-Mindestkurses zu Beginn des Jahres 2015 ein verstärkter Einkaufstourismus eingesetzt. Diese strukturellen Veränderungen führen dazu, dass der stationäre Schweizer Einzelhandel seit einigen Jahren rückläufige Flächenumsätze verzeichnet. Aus Schätzungen geht hervor, dass die Verkaufsflächenumsätze (pro Quadratmeter) seit dem Jahr 2010 im umsatzgewichteten Durchschnitt um mehr als 10% zurückgegangen sind. Für einzelne Warengruppen zeigt sich jedoch ein noch düsteres Bild.



Sinkende Verkaufsflächenumsätze im Detailhandel Schweiz

  • Die grössten Umsatzeinbussen in Abhängigkeit der Verkaufsfläche hatten die Anbieter von Multimedia und Softwareprodukten zu verkraften. Insgesamt sind die Verkaufsflächenumsätze von 2010 bis 2016 um fast 30% zurückgegangen – im Durchschnitt jährlich um 6.0%. Während die Zahl der Verkaufsstellen derzeit noch stabil ist, könnten sich einige Unternehmen mittel- bis langfristig für die Reduktion des Filialnetzes entscheiden. Ein Mitgrund für diese Entwicklungen ist, dass sich im Bereich Multimedia und Softwareprodukte der Online-Handel in der Schweiz bereits erfolgreich etablieren konnte.
  • Im Bekleidungsmarkt sind die Flächenumsätze in den letzten sechs Jahren um insgesamt knapp 25% (jährlich im Durchschnitt um 4.7%) zurückgegangen. Gerade im Bekleidungsbereich geht ein starker Druck von Onlinehändlern aus dem In- und vor allem dem Ausland aus, der zu Umsatzeinbussen im stationären Handel führt.
  • Auch das Schuhgeschäft hat mit diesen Entwicklungen zu kämpfen: So sind die Flächenumsatzrückgänge im Jahr 2016 nochmals stärker ausgefallen, als dies in den Jahren zuvor der Fall war. Während die durchschnittliche Veränderung des Umsatzes pro Quadratmeter Ladenfläche von 2010 bis 2015 bei jährlich -2.8% lag, belief sich der Rückgang im Jahr 2016 auf -5.4%. Eine ähnliche Beschleunigung im Rückgang der Flächenumsätze war zuletzt im Bereich Sport zu beobachten.
  • Zu den online-affineren Warengruppen zählt auch die Gruppe Spielwaren, Games, Bücher und Musik. Die Anbieter dieser Waren schnitten im langfristigen Vergleich mit einem Minus von 18% mit am schlechtesten ab. Die Produkte sind preislich relativ gut vergleichbar und unproblematisch im Versand, weshalb sie für den Onlinehandel gut geeignet sind. Bücher und Musik werden zudem zunehmend als digitale Güter bezogen. Und Spielwaren gehören ausserdem zu den Produkten, die oft im Ausland gekauft werden. Umso positiver ist zu vermerken, dass der Rückgang der Flächenumsätze für diese Warengruppe im letzten Jahr mit weniger als 1% weit unter dem Durchschnitt der vorrangegangenen 5 Jahre lag (-4.0%).
  • Der Foodbereich verzeichnete in den Jahren 2010 bis 2016 die geringsten Einbussen im Verkaufsflächenumsatz. Die Rückgänge lassen sich hier nicht auf allgemeine Umsatzrückgänge sondern auf den Ausbau des Verkaufsnetzes zurückführen. Im Jahr 2016 hatten sich die Flächenumsätze gar wieder positiv entwickelt.

Ausblick: Einkaufstourismus auf hohem Niveau stabil, Onlinehandel nimmt weiter zu

  • Die Digitalisierung im Detailhandel wird sich in Zukunft weiter fortsetzen. Es ist anzunehmen, dass zukünftig auch Warengruppen betrifft, die bislang davon «verschont» geblieben sind.
  • Nicht zu vernachlässigen ist der Onlinehandel-Riese Amazon, dessen verstärkter Eintritt in den Schweizer Markt von vielen Marktbeobachtern bereits erwartet wird. Mit seinem Lebensmittel-Lieferservice Pantry – einem Onlinedienst, über den nicht verderbliche Lebensmittel- und Haushaltsprodukte bestellt werden können – ist Amazon hierzulande derzeit bereits im Kommen.
  • Die Veränderungen im Einkaufsverhalten fordern von den Anbietern ein Umdenken, innovative Konzepte – z.B. im Bereich des Cross-Channel-Marketings (Click and Collect) – und damit grössere Investitionen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Auch der grenzübergreifende Onlinehandel wird voraussichtlich noch stärker zunehmen. Im Bereich Bekleidung und Schuhe sind es Anbieter wie Zalando und Sarenza, die Druck auf die heimischen Märkte ausüben.
  • Die Zunahme der Auslandseinkäufe verharrt derzeit auf hohem Niveau, was auch im laufenden Jahr so bleiben dürfte. Dafür spricht die derzeitige Stabilisierung der Zunahme der Ausfuhr- und Abnehmerbescheinigungen (Quelle: GfK).
  • Die neusten Zahlen zeigen, dass sich die Schere zwischen den Flächenumsätzen und den Mietpreisen weiter öffnet. Demzufolge dürften die Mietpreise für Retailflächen weiter stark unter Druck bleiben.

 


Erklärungen

  • Die Schätzung der Verkaufsflächenumsätze basiert auf der Auswertung von mehr als 50 bekannten, überregionalen Detaillisten, die jeweils mehrere Verkaufsstellen betreiben. Sie belegen zusammen rund 20% aller Verkaufsflächen in der Schweiz. Die Umsatz- und Verkaufsflächendaten, auf denen die erläuterten Schätzergebnisse beruhen, stammen von der GfK Detailhandel Schweiz 2016.
  • Aktuelle Trends und Entwicklungen im Detailhandels- und Geschäftsflächenmarkt Schweiz finden Sie auch in unseren Publikationen auf unserer Webseite (z.B. Frühlingsausgabe Immo-Monitoring 2017 oder Immobilienmarkt Schweiz 2017I2).

 


Autorin

 Ines von der Ohe

Senior Consultant bei Wüest Partner seit 2018; M.Sc. in Geography; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Immobilienmarktanalysen, regionale Marktberichte, Autorin Immo-Monitoring, GIS-Analysen.
ines.vonderohe@wuestpartner.com

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