Zehn eindrucksvolle Zwischennutzungen

Lausanne Flon

Stehen Liegenschaften oder Grundstücke voraussehbar und während einer nützlichen Dauer leer, so können sie Raum für eine Zwischennutzung bieten. Ursprünglich ermöglichte vorwiegend die öffentliche Hand Zwischennutzungen für gemeinnützige Zwecke. Mittlerweile wird das Konzept jedoch zunehmend von verschiedenen Immobilieneigen­tümern professionell eingesetzt. Es dient der Generierung zusätzlicher Einnahmen, der Vermeidung höherer Kosten oder der Image- und Adressbildung. Zudem kann es zur Belebung neuer Quartiere sowie zur Vermeidung von Hausbesetzungen beitragen. Wüest Partner ist der Frage nachgegangen, welche Dimensionen die Zwischennutzungen im Schweizer Immobilienmarkt angenommen haben. Und: Bergen die Temporärnutzungen realisierbare Potenziale, um die Herausforderungen durch steigende Leerstände bewältigen zu können?

Zwischennutzungen – Eine Win-win-Situation?

In den vergangenen zwei Jahren wurden auf Schweizer Inserateplattformen und von professionellen Vermittlern mehr als 1000 Objekte zur kommerziel­len Zwischennutzung ausgeschrieben. Dabei zeigt sich, dass es sich bei Temporärnutzungen vornehmlich um ein urbanes Phänomen handelt: Die Hälfte aller inserierten Flächen befinden sich in einer Gross- oder Mittelstadt. Aufgrund der Informationen in den Inseraten wird deutlich, dass es kein typisches Zwischennutzungsobjekt gibt. Vielmehr zeigt sich eine beachtliche Vielfalt in Bezug auf Gebäudetypen, Grösse, Preisgestaltung oder Nutzungsdauer.

Auch wenn die Nachfrage nach Zwischennutzungsmöglichkeiten weiter steigen dürfte, bedarf das Konzept einer professionellen Umsetzung. Der Erfolg hängt ab von den Faktoren Lage und Grösse der offerierten Flächen, Wahl der Zwischennutzer, Vertragsgestaltung, Kommunika­tion mit direkt und indirekt Betroffenen sowie von der Kostenkontrolle.

Die vollständige Studie über Zwischennutzungen finden Sie in der Frühlingsausgabe des Immo-Monitorings 2017, die Sie hier bestellen können. Einen Bericht über die Studie hat der Tagesanzeiger am  19. Mai 2017 publiziert.

 


Erklärungen

  • Unter «Zwischennutzung» wird in eine Übergangsnutzung verstanden, die zeitlich zwischen die Nutzung fällt, für die ein Gebäude, Areal oder Freiraum ursprünglich angelegt wurde, und die intendierte neue, meist noch festzu­legende Nutzung. Das Konzept der Zwischennutzung steht damit für den temporären Gebrauch eines Raums in der Zeit zwischen der Einstellung der ursprünglichen Nutzung und dem Beginn der nächsten Nutzung.
  • Weder die Art der Aktivität – häufig zeigt sich ein Nutzungsmix – noch die zeitliche Dimension sind bei Temporärnutzungen einheitlich definiert. Auch in Bezug auf die rechtliche Ausgestaltung bleiben verschiedene Aspekte offen (Gebrauchsleihvertrag vs. Mietvertrag). Die Laufzeit kann entweder vertraglich festgelegt oder offen gehalten werden, und dies häufig mit der Bedingung, dass die Flächen zu räumen sind, wenn ein fester Mieter gefunden wird oder die Baubewilligung vorliegt.
  • Grundsätzlich können sowohl einzelne Gebäude als auch ganze Areale zwischengenutzt werden. Aktuell zeigen sich beispielsweise im Zuge der Erneuerung vieler genossenschaftlicher Wohngebäude der 1930er-Jahre verschiedene Wohnzwischennutzungen in Form von befristeten Mietverträgen. Daneben werden im Geschäftsflächenmarkt aufgrund des grossen Angebots kreative Zwischennutzungskonzepte entwickelt. Auf den letztgenannten Trend konzentrieren sich unsere Ausführungen.

 


Autoren

Gabriela Bruno

Consultant bei Wüest Partner seit 2015; BSc ETH Arch, MA CCNY Arch; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Beratung von Immobilieninvestoren und –eigentümer bei Kauf, Entwicklung und Verkauf von Liegenschaften sowie Bewertung von Einzelliegenschaften und Immobilienportfolios.
gabriela.bruno@wuestpartner.com

 

Jacqueline Schweizer

Manager bei Wüest Partner seit 2017 (Mitarbeiterin seit 2012); Master of Science in Geography; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: statistische und räumliche Datenanalyse/ Modellierung, Raumplanung, Ökonometrie, Immobilienanalysen und -marktforschung, konzeptionelle Entwicklung von Applikationen.
jacqueline.schweizer@wuestpartner.com

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