Ambitionierte Halbierung der Treibhausgase im Gebäudepark

Nachhaltigkeit im Gebäudepark, CO2-Verbrauch im Gebäudepark

In den vergangenen Jahren war der Schweizer Gebäudepark durch eine starke Neubautätigkeit geprägt. In der Folge müssen heutzutage rund 30 Prozent mehr Gebäudeflächen beheizt werden, als dies noch 1990 der Fall war. Aber trotz dieses Wachstums konnten die Emissionen der Gebäude um 26 Prozent gesenkt werden (Stand 2015 im Vergleich zu 1990).

Dem Gebäudepark ist damit eine Entkoppelung von Flächenwachstum auf der einen Seite und Emissionen auf der anderen gelungen.

Möglich gemacht haben dies vor allem eine neue Heizungsgeneration und verbesserte Gebäudehüllen, wodurch die Emissionen für die Flächenbeheizung bescheidener ausfallen. Zudem sind die energetischen Anforderungen an Neu- und Umbauten deutlich gestiegen.

Der Gebäudepark auf dem Weg der Klimaziele

Auch in den kommenden Jahren sind die Emissionen des Schweizer Gebäudeparks weiter zu senken. Der Nationalrat hat am 2. März 2017 dem Klimaabkommen von Paris zugestimmt. Demnach sollen die Treibhausgasemissionen in der Schweiz zwischen 1990 und 2030 um 50 Prozent reduziert werden.  Eine Halbierung gegenüber 1990 ist dann erreicht, wenn die Gesamtemissionen im Jahr 2030 um 32 Prozent unter den Werten von 2015 liegen und dies trotz eines weiterhin wachsenden Gebäudeparks. Wüest Partner hat analysiert, welche Massnahmen dafür notwendig sind.

  • Durch Ersatz- und Neubauten werden bis in das Jahr 2030 nochmals weitere rund 20 Prozent des Gebäudeparks von der hohen Energieeffizienz moderner Gebäude profitieren. Zudem wird die Energieeffizienz der Haushalts- und Heizgeräte weiter verbessert. Mit diesen Massnahmen lassen sich die Emissionen bis ins Jahr 2030 um 7 Prozent senken.
  • Damit die Emissionen nochmals um weitere 24 Prozent gesenkt werden können, und damit die Halbierung erreicht wird, müssten jedes Jahr bei rund 1 Prozent der Gebäude eine umfassende Gebäudehüllensanierung anfallen und bei einem weiteren Prozent eine fossile Feuerung durch eine nicht fossile Feuerung ersetzt werden. Solche energetische Erneuerungen haben die grössten Auswirkungen auf die Reduktion der Treibhausgase, wenn vor allem jene Gebäude berücksichtigt werden, die für die Mehrheit der Treibhausgase verantwortlich sind. Schätzungsweise stammen über 70 Prozent der Gebäudeemissionen von Immobilien, die vor 2003 gebaut worden sind, in diesem Jahrtausend noch nicht energetisch saniert worden sind und die Wärme mit fossilen Brennstoffen erzeugen.

Hoher Investitionsbedarf

Da die Reduktion ohne Gebäudehüllensanierungen und den Rückbau von fossilen Feuerungen nicht möglich sein wird, ist die Erreichung dieses Ziels mit substanziellen Investitionen verbunden. Basierend auf den Kosten für typische Sanierungen errechnet Wüest Partner ein Investitionsvolumen in energetische Massnahmen von rund 4.8 Milliarden Franken pro Jahr. Es ist davon auszugehen, dass die aktuellen Investitionen in energetische Sanierungen unter diesem Niveau liegen.

Die Analysen zeigen, dass die Halbierung der Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2030 ein realistisches, aber ambitioniertes Ziel für den Schweizer Gebäudepark ist.

Durch energetische Massnahmen können die Energiekosten zwar gesenkt werden, aber angesichts der aktuellen Energiepreise und der Höhe der CO2-Abgabe liegen die Investitionskosten vieler Sanierungen deutlich über den Einsparungen. Es stellt sich die Frage, wer die Investitionskosten zu tragen hat: der Steuerzahler über den Ausbau von Subventionen, die Eigentümer durch den Zwang mittels verschärfter Vorschriften oder die Mieter durch die Überwälzung der höheren Investitionskosten.

 


 


Erklärungen

  • Die detaillierte Studie finden Sie im Immo-Monitoring 2017 (Frühlingsausgabe 2017-2).
  • Die Analyse stützt sich unter anderem auf die in 40’000 Gebäudeenergieausweisen der Kantone (GEAK) dargelegten Treibhausgasemissionen.
  • Energiegesetz: Am 21. Mai 2017 stimmt die Schweiz über das revidierte Energiegesetz ab, das unter anderem auf die Energieeffizienz und damit auf die Emissionen des Gebäudeparks abzielt. Dieses Energiegesetz ist eine erste Umsetzungsmassnahme der Energiestrategie 2050. Im Vordergrund steht dabei die Förderung der Stromproduktion mittels erneuerbarer Energien. Doch auch der Immobilienmarkt ist in direkter Weise betroffen, vor allem aufgrund der folgenden vier Aspekte:
    • Der maximale Beitrag des Bundes an das kantonale Gebäudeprogramm würde von 300 auf 450 Millionen Franken pro Jahr erhöht. Neu deckt der Bundesbeitrag neben der Gebäudehülle auch Massnahmen an der Gebäudetechnik.
    • Der Ersatzneubau von unsanierten Objekten würde finanziell gefördert.
    • Energetische Sanierungen könnten drei Jahre lang von den Steuern abgezogen werden.
    • Der Bau von Kleinkraftwerken wie Fotovoltaikanlagen auf dem Dach wird gefördert.

 


Autoren

Ivan Anton

Leiter Geschäftsstelle Nachhaltigkeit und Director bei Wüest Partner (Mitarbeiter seit 2007); Dipl. Architekt ETH, Master of Science Real Estate (CUREM), akkreditierter GEAK-Experte; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Bewertung von Einzel-/Spezialliegenschaften sowie Projektentwicklungen, Projektmanagement von Portfoliobewertungen, strategische Beratung im Immobilienmanagement, Standort- und Marktanalysen, Landwertermittlungen, Leiter des Spezialistenteams für Nachhaltigkeitsfragen.
ivan.anton@wuestpartner.com

 

Jörg Schläpfer

Leiter Makroökonomie und Manager bei Wüest Partner seit 2015; Dr. sc. ETH, MA HSG; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Makroökonomie, Immo-Monitoring, Regressionsanalysen, wissenschaftliches Publizieren, politisches Geschehen.
joerg.schlaepfer@wuestpartner.com

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