Umzüge innerhalb der Schweiz


Das Leben ist geprägt von einem kontinuierlichen biografischen Wandel. Das Ende der Schulzeit und der Start des Studiums, der Antritt einer neuen Arbeitsstelle in einer anderen Stadt, der Zusammenzug mit dem Lebenspartner, die Geburt der Kinder und deren Wegzug von zu Hause, Scheidungen oder auch der Umzug in eine Alterswohnung sind mögliche Meilensteine, die den Beginn einer neuen Lebensphase bedeuten. Mit jeder Phase ändern sich oft die soziale Wahrnehmung, die Bezugspersonen oder auch der Lebensmittelpunkt.

Eindeutige Altersstruktur bei den Umzügern

Zudem ist der Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt häufig mit einem Wohnungswechsel verbunden. Die Analyse der Bevölkerungsdaten des BFS zeigt denn auch eindrücklich, welcher starke Zusammenhang zwischen dem Alter und der Umzugswahrscheinlichkeit besteht. Aus den Ergebnissen lassen sich vor allem die folgenden Erkenntnisse ziehen:

  • Mit Beginn der Primarschule nimmt die Umzugswahrscheinlichkeit einer Person stark ab. Die obligatorische Schulzeit macht Haushalte mit mindestens einem schulpflichtigen Kind deutlich immobiler.
  • Im Alter von 20 bis 35 Jahren ist die Umzugsfreudigkeit am höchsten. Am häufigsten finden Umzüge im Alter von 26 Jahren statt – in diesem Alter wechselt fast jede vierte Person mindestens einmal die Wohnadresse. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass in dieser Lebensphase sehr häufig das Studium beziehungsweise die Ausbildung beendet, eine neue Arbeitsstelle angetreten oder mit dem Lebenspartner zusammengezogen wird.
  • Nach den Jahren mit relativ häufigen Wohnungswechseln nimmt die Umzugswahrscheinlichkeit bis zum 75. Lebensjahr kontinuierlich ab. Erst danach steigt sie wieder an, oft verbunden mit dem Umzug in eine kleinere Wohneinheit oder in eine Alterswohnung.
  • In Anbetracht der immer stärkeren Individualisierung der Gesellschaft ist der klare Altersverlauf der gesamtschweizerischen Umzugshäufigkeit erstaunlich. Die Vielfalt der Lebensmodelle dürfte zwar zu einer zunehmenden Heterogenität der Wohnbedürfnisse führen, bei der Umzugswahrscheinlichkeit ist deren Einfluss aber gering.

Mehr Umzüge nach aussen

Nicht nur in Bezug auf die Altersstruktur zeigen sich klare Muster bei den Umzügern. Auch was die gewählten Regionen bei den Wohnungswechseln angeht, lassen sich eindeutige Vorlieben erkennen.

  • Durch Umzüge innerhalb der Schweiz wachsen die äusseren Agglomerationsgemeinden der Gross- und Mittelstädte verhältnismässig stark. Die zugezogenen Personen kommen unter anderem aus Pendlergemeinden ausserhalb der Agglomerationen sowie aus industriellen und agrarischen Gemeinden.
  • Aber auch die Grossstädte selbst tragen zu dieser Entwicklung bei. Hier zeichnet sich eine verstärkte «Bewegung nach aussen» ab. So beziehen viele Grossstädter eine Wohnung im inneren oder äusseren Agglomerationsgürtel. Umgekehrt ziehen von den inneren und äusseren Agglomerationsgemeinden weniger Leute in die Grossstädte.
  • Werden nur die Migrationsbewegungen innerhalb der Schweiz betrachtet, verzeichnen die meisten Gross- und Mittelstädte einen negativen Umzugssaldo bezüglich Zuzüger aus anderen Schweizer Gemeinden, das heisst ihre Bevölkerungszahl würden schrumpft. Durch den positiven Zuzugssaldo von Personen aus dem Ausland (nicht dargestellt in der Grafik) nehmen die Einwohnerzahlen trotzdem zu.
  • Auch die agrarischen Regionen verzeichnen einen positiven Zuzügersaldo innerhalb der Schweiz. Dieser kommt fast ausschliesslich aufgrund des positiven Saldos mit den Grossstädten und vor allem mit den inneren und äusseren Agglomerationen der Grossstädte zustande.
  • Im untersuchten Zeitraum war für einige  Tourismusregionen eine Abwanderung der inländischen Bevölkerung zu verzeichnen. Strukturelle Probleme bei touristischen Betrieben und Bauunternehmen dürften diese Entwicklung fördern.

 


Erklärungen

  • Die Datenbasis für das Umzugsverhalten innerhalb der Schweiz bildet die Statistik der Bevölkerung und Haushalte (STATPOP) des Bundesamts für Statistik (BFS). STATPOP ist Teil des eidgenössischen Volkszählungssystems und liefert Informationen zum Bestand und zur Struktur der Wohnbevölkerung am Jahresende. Ausgewertet wurden – in anonymisierter Form – die Einzeldaten der ständigen Wohnbevölkerung für das Jahr 2015.
  • Definitionen:
    Zuzüger (Zuzug Schweiz): Zahl der Personen, die aus anderen Kantonen oder aus anderen Regionen im selben Kanton zugezogen sind.
    Wegzüger (Wegzug Schweiz): Zahl der Personen, die in einen anderen Kanton oder in eine andere Region im selben Kanton ziehen.
    Einwohner: Anzahl Personen der ständigen Wohnbevölkerung per Ende 2015.
    Umzugsquote: Anzahl Personen, die eine Wohnadresse haben im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung (inkl. ausländische Zuzüger).
  • Weitere Informationen: Detaillierte Informationen zu den Umzugsbewegungen finden Sie im Immo-Monitoring 2017 (Winter-Update 2017-1 und Frühlingsausgabe 2017-2).
  • Die interaktiven Grafiken wurden von Datahouse programmiert.

 


Autoren

Jörg Schläpfer

Leiter Makroökonomie und Manager bei Wüest Partner seit 2015; Dr. sc. ETH, MA HSG; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Makroökonomie, Immo-Monitoring, Regressionsanalysen, wissenschaftliches Publizieren, politisches Geschehen.
joerg.schlaepfer@wuestpartner.com

 

Patrick Schnorf

Partner bei Wüest Partner seit 2011 (Mitarbeiter seit 2004); Dipl. Ing. ETH, MAS ETH MTEC/BWI; Schwerpunkte und Tätigkeitsgebiete: Immobilienmarktbeobachtung, -forschung und -reporting, Nachfrage- und angebotsseitige Prognosen, Daten und Informationssysteme, Strategieberatung: Markt-, Standort- und Expansionsstrategien.
patrick.schnorf@wuestpartner.com

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